"Ein Blick durchs Schlüsselloch"

Ein Blick durchs Schlüsselloch

Liebe Familien,                                                                                           

 

langsam kehrt wieder etwas Normalität in der Kita ein und wir gehen zum Regelbetrieb über.

Auch die ersten kleineren Ausflüge wie zum Beispiel zur Ponyfamilie nach Mehlingen und in die Mehlinger Heide können mit bestimmten Auflage erfolgen. Für die Kinder und auch für das Team geht es endlich wieder voran. Da freut uns sehr.

Allerdings stehen auch diverese Änderungen in unserer Einrichtung bevor. Hierüber möchten wir Sie umfangreich informieren.

Wie Sie sicher schon gehört haben, tritt zum 01.07.2021 das Kita-Zukunftsgesetz in Kraft. Dieses wird von der Landesregierung als Verbesserung an allen Kita-Fronten angepriesen.

In den vergangenen Jahren haben zahllose ErzieherInnen des Landes dagegen demonstriert, gekämpft und letztendlich verloren. Die Stimmen aus der Praxis waren laut, es wurde ihnen dennoch zu wenig Gehör geschenkt.

Wir, das Kita-Team in Baalborn, ist zwiegespalten. Zum einen nehmen wir die dringenden Bedarfe der Eltern nach längeren Betreuungszeiten, die eine Berufstätigkeit überhaupt erst möglich machen, ernst. Es ist richtig und wichtig, dass wir Plätze und Möglichkeiten schaffen.

Zum anderen erleben wir in unserer täglichen Fachpraxis auch, von welch hoher Bedeutung, gerade bei längeren Betreuungssettings in der Kita, die Qualität der Einrichtung ist. Auch die Jüngsten kommen augenscheinlich gut durch einen langen Kita-Alltag, wenn alles passt.

Noch schaffen wir es, auch in Zeiten der Pandemie, alles (oder zumindest das meiste) für die Kinder passend zu machen. Das heißt jedoch nicht, dass es immer leicht ist. Wir stehen auch heute oft vor großen Herausforderungen.

Wir machen uns allerdings schon lange Sorgen, wie denn nach dem 01.0.7.2021 all das noch so umgesetzt werden kann. Wir, als kleine Einrichtung, gewinnen durch das neue Kita-Gesetz nämlich nicht viel. Im Gegenteil, wir verlieren. Wir verlieren die Betriebserlaubnis für unsere Einjährigen Kinder und dürfen vorerst nur noch Kinder ab 2 Jahren aufnehmen, da der Bedarf bei dieser Altersgruppe so groß ist. Dadurch verlieren wir auch Erzieherstellenanteile, haben aber im Gegenzug bis zu doppelt so viele Kinder über die Mittagszeit zu betreuen, wie bisher.

Wir möchten gerne allen Kindern die Möglichkeit zum warmen Mittagessen in der Kita bieten, auch die längeren Betreuungssettings machen in unseren Augen Sinn, doch benötigen wir doch dafür mehr und nicht weniger Personal, um diese Situationen für die Kinder auch gut zu gestalten und dabei auch noch Unterstützung bieten und einige Werte vermitteln zu können.

Wir wehren uns gegen Massenabfertigung! Wir möchten uns nicht nur als eine Verwahranstalt begreifen. Wir alle haben nicht 5 Jahre Ausbildung absolviert, um nur noch „betreuen“ zu dürfen.

Wir lieben unseren Beruf, wir erleben ihn tagtäglich als Berufung trotz aller Widrigkeiten, aber wir haben Angst vor den künftigen Rahmenbedingungen durch diverse Gesetze, die die Praxis missachten.

Wir möchten weiterhin die Qualität hochhalten, möchten alle pädagogischen Möglichkeiten ausschöpfen, tolle Angebote und Projekte erarbeiten, doch sehen auch die Grenzen des Machbaren, einfach aufgrund der neuen Personalbemessung. Gerade die kleinen Einrichtungen haben ohnehin schon schnell Probleme, auszugleichen, wenn mal jemand fehlt, da einfach nicht so viele Leute mit im Boot sitzen, die sich die Arbeit irgendwie aufteilen können.

Wir kämpfen nun für unsere Erzieherstellen über das Sozialraumbuget, mit welchem Erfolg ist noch unklar.

An dieser Stelle möchten wir unserer Ortsbürgermeisterin Monika Rettig ein großes Dankeschön aussprechen. Sie hilft und unterstützt, wo sie nur kann und ermöglicht der Gemeinde Springerstellen für beide Kitas. Sie kämpft um jede einzelne von uns.

Warum wir diese offenen Worte an Sie richten? Wir möchten Ihnen verdeutlichen, was auf uns alle zukommt. Es entstehen durchaus einige Vorteile, aber wir sind nicht sicher, ob auch die Nachteile der neuen Situation für alle klar thematisiert wurden.

Die Ansprüche an den Beruf der ErzieherIn sind groß geworden. Sicher ist, dass es nicht leichter wird. Wir werden versuchen, als Team unser bestmöglichstes zu geben, damit „unsere“ Kinder nach wie vor alle Möglichkeiten haben, sich bei uns wohl zu fühlen und sich gut zu entwickeln.

 

Im Anschluss haben wir nochmal die wichtigsten Punkte des Kita-Zukunftsgesetztes für Sie zusammengefasst.

 

Christina Weber und das Team der Kita Heidschnucke

 

 

Das neue Kita-Zukunftsgesetz:

 

-        Rechtsanspruch für Kitaplatz für Einjährige

-        Rechtsanspruch auf regelmäßig sieben Stunden Betreuung am Stück

-        Rechtsanspruch auf Mittagessen in der Kita

-        Abschaffung des Gruppensystems für die Personalberechnung

-        Der Personalschlüssel für die Betreuung von Zweijährigen wird an den der Drei-bis Sechsjährigen angeglichen

-        Mehr Mitspracherecht für die Eltern über einen Beirat

-        Förderung im naturwissenschaftlichen und sprachlichen Bereich jetzt auch durch Erzieher statt wie bisher durch externe Fachkräfte

 

Die Herausforderungen speziell für unsere Kita:

 

-Genügend Plätze in den Gruppen für das Mittagessen, da es baulich nicht möglich ist, einen Raum als Speiseraum umzugestalten.

-Die Gruppen nach dem Essen schnell wieder in Ordnung zu bekommen und wieder als Gruppenraum zu nutzen

-Die Küche kommt aufgrund ihrer geringen Größe an ihre Grenzen

-Der Schlafraum ist ausschließlich für 8 Kinder ausgelegt. Sollten mehr Kinder zum Schlafen angemeldet werden, müssen wir auf den Turnraum ausweichen, welcher jedoch täglich durch beide Gruppen stark frequentiert und gerade im Winter unentbehrlich ist.

- Genügend Personal zur Verfügung zu haben, um die Mittagssituation gut zu gestalten (Mittagessen und Ruhezeit).

Ihr Team der Kita Heidschnucke